Für meine Freunde ist mein Aufenthalt als Fremdsprachenassistent in Australien weder legitimierungsbedürftig noch wurde ich nach den Gründen für meine Entscheidung gefragt. Vielmehr sehen sie es als „unglaubliche Chance“. Eine Begründung für die Entscheidung scheint ihnen völlig überflüssig. Doch diese Selbstverständlichkeit erscheint nur auf der Oberfläche. Denn wer Familie, Freunde, Gewohnheiten verlässt, weiß dass er sie nur schwer wiedersehen wird. Ein Jahr ändert vieles. Wer geht, weiß um die Gefahr der Rückkehr. Es muss etwas geben, das diese Gefahr aufwiegt.
Es ist die Veränderung seiner selbst, die als Verlockung der bewussten Heimatlosigkeit erwartet wird. Wer geht, weiß eben auch, dass er verändert, vielleicht stärker, oft weiter denkend zurückkommen wird. Dieses Stärkersein und Weiterdenkende ist befreiend, weil es die Fesseln des eigenen Lebens auflöst. Heimatlosigkeit führt zur Freiheit.
Wer Gefahren aus dem Weg geht, wird immer Höhe und Macht des Berges bewundern. Nie wird er aber von der Spitze das Tal überblicken. Und nie wird er die Freude eines gelungenen Aufstiegs erfahren. Er wird stattdessen bleiben, wie er ist.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen