Montag, 7. März 2011

Chardonnay aus den Adelaide Hills


Es ist gar nicht so einfach sich an das Ausspucken von Weinen zu gewöhnen, deren Flaschenpreis zwischen 20 und 50 Dollar liegt. Glück wer einen Mitbewohner hat, der weil  aus der Weinbranche kommend einem alles Fachmännisch erklären kann. Zuerst die Farbe betrachten, die den für die Weinsorte typischen Charakter ausweisen sollte. Wichtig ist der nächste Schritt: das Schwenken des Glases. Hier kommt der Wein in Berührung mit Sauerstoff und kann so erst sein Bouquet entfalten. Ohne Sauerstoff kein Geschmack. Der wahrscheinlich wichtigste Schritt bei der Weinverkostung ist das Riechen. Man sollte die ersten für den Wein typischen Eigenschaften erkennen: fruchtig, hölzern, würzig und hunderte weitere. Interessant welch eigene Sprach die Weinwelt entwickelt hat zur Typologie der Weine: so kann ein Riesling „kerosinartig“ sein und manch ein Wein aus Neuseeland wird mit „sweating armpits“ beschrieben. Sobald es zum Kosten kommt darf man sich vom Schlürfgeräusch des Nebenmannes nicht ablenken lassen, sondern muss es ihm gleich tun. Das charakteristische Schlürfen entsteht, sobald der Weinkenner mit einem Schluck im Mund Sauerstoff einzieht und damit den Wein überdeckt. Wir wissen ja bereits, wie wichtig die Verbindung beider Elemente ist. Guter Wein verbreitet nun verschiedene Charakteristika zu verschiedenen Zeiten und es ist nun Zeit diese herauszuschmecken. Vielleicht ungelenk aber mit Selbstbewusstsein erfolgt nun das Entleeren des guten Tropfens in den dafür vorgesehenen Spucknapf. Eindeutig ein wesentlicher Bestandteil einer Verkostung, kann man doch nach wenigen Gläsern Weingenusses keinen Unterschied mehr feststehlen, nachdem der nächst immer auch der Beste geworden ist.
Adelaide und Umgebung gelten als die besten Weinregionen Australiens und können es bei manchen Weinen mit der europäischen Konkurrenz aufnehmen. Die Adelaide Hills sind vor allem für ihren Shiraz bekannt aber auch wunderbare Weißweine findet man hier. Unteranderem einen Riesling, der ein kräftiges Apfelaroma beinhaltet, in dem man aber auch Spuren von Mandarinen findet, zumindest wenn er aus der prestigeträchtigen „Petaluma“ Weingut stammt. Von „Shawn and Smith“ ist neben dem Shiraz der Sauvignon Blanc zu empfehlen, der neben seinem fruchtigen Pfirsicharoma einen leichten Unterton von Bananen entfaltet. Nicht vergessen sollte man den Chardonnay, dessen teuerste Variante von dem schon genannten „Petaluma“ Gut stammt, der aber auch bei anderen Gütern gut sein kann. Als ein Wein, der in Eichenfässern gelagert wird, entfaltet er einen holzigen Geschmack, der von Fruchtaromen durchbrochen wird. Wer Wein liebt, liebt die Hills.

Sportfest


„Ich gebe jedem von euch eine Nummer. Die müsst ihr euch merken und mir vor jedem Sprung ansagen, damit wir euren Sprung abstecken können.“ Nach dieser Vorbereitung war die am häufigsten gestellte Frage am Dreisprung: „Wie war meine Nummer nochmal?“ Vielleicht sollte man das Ausfallen des Kurzzeitgedächtnisses nicht überbewerten und der allgemeinen Aufgeregtheit und Konzentration vor dem entscheidenden Sprung zurechnen. Ein Schüler der 12 Klasse sprang so weit, dass er fast außerhalb der Sprunggrube landetet und gefragt wurde, ob er nicht zu viele Schritte gemacht habe: „Nein, ich kann nochmal springen, um es ihnen zu zeigen.“ Tatsächlich ein richtiger Dreisprung und fast aus der Sprunggrube.
Das brachte viele Punkte für sein „Haus“, in das er am Beginn der achten Klasse eingeteilt wurde. So wie jeder Schüler in ein „Haus“ – ein bestimmtes Schulteam – werden auch die Lehrer in die verschiedenen Teams eingeteilt, deren Aufgabe dann darin besteht beim Sportfest nicht nur die Sprungweiten und Sprintzeiten zu ermitteln, sondern auch die Schüler ihres Teams anzufeuern. Die Schüler wiederrum ziehen Sportsachen in den Farben ihres „Hauses“ an und werden von ihrem „house captain“ zum Sieg angeleitet. Eine geschaffene Konkurrenzsituation, die Aufregung und Leistungsdenken fördert. Künstlich aber doch für viele Schüler leistungssteigernd. Ein Ammenmärchen, dass Schüler sich nur in kooperativen Lernformen wohlfühlen, in denen Wettbewerb marginalisiert wird.

Die ersten ziehen aus


Es war ein stiller Abschied als Gracy das Haus verließ. „Ja, sie ist heute ausgezogen. Zu ihrem neuen Freund.“ Das ging schnell, hatte sie ihren alten Freund noch vor wenigen Tagen lautstark aus dem Haus gewiesen. Glaubt man den Gerüchten, sei er eifersüchtig auf Jarrod gewesen, von dem er glaubte dieser würde Gracy unangebracht viel seiner Zeit widmen. Jarrod bestreitet alles und er bringt das durchaus einsichtige Argument vor, dass seine eigene Freundin hundertmal schöner sei als Gracy und er absolut glücklich. Es war jedoch ein donnerndes Drama als Gracys nun mehr Ex-Freund aus dem Haus flog. Jedes zweite Wort fing mit „F“ an und ein immer wieder gleicher Satz war am Ende eines jeden Argumentes Seitens Gracy zu hören: „Leave the house, right now!“ Sogar mit der Polizei drohte sie. Und so musste er verlassen, mit einem Handtuch und seiner Zahnbürste unter dem Arm das Terrain verlassen. Dabei wollte er nicht verstehen, dass nicht seine „Fehler“ der Beziehung im Weg standen, sondern vielmehr seine Person selbst, hatte Gracy doch schon längst, glaubt man wiederrum den Gerüchten, jemand anderes gefunden. Frauen suchen Männer aus. Die neue Liebe Grays‘ muss so stark sein, dass sie nicht nur ihren Freund verließ, sondern gleich das Haus, um bei ihm zu sein. Glück und Elend liegen manchmal nur wenige Stunden voneinander entfernt.
Ali verlässt in den nächsten Tagen ebenfalls das Haus. Auch hier spielt Liebe eine Rolle. „Wie soll ich mit meiner Frau in Pakistan telefonieren, wenn das verdammte Internet nicht funktioniert?“ In der Tat ist man hier wegen der Qualität der Kommunikationsmöglichkeiten verärgert, sodass der „Landlord“ versprach, dass bald Besserung eintreten wird. Aber das konnte Ali nicht überzeugen, bricht doch das Gespräch via Skype ständig in wichtigen Momenten ab.
Vielleicht sollte man erklären, dass Ali seine Ehefrau auf andere, völlig unwestliche Weise gefunden hat. In Pakistan sucht nicht die Frau ihren Mann, sondern die Familien entscheiden. Ist der Sohn in einem heiratsfähigen Alter, wird bei Freunden, Bekannten, Familie gefragt, ob sie denn nicht eine Frau für den Sohn empfehlen können. Sie muss die Tradition respektieren, den Erwartungen der Familie entsprechen und aus der gleichen Kaste kommen. Ist jemand gefunden, beginnen die Verhandlungen, in denen geklärt wird, woher die jeweils andere Familie stammt, welchen Beruf der Vater ausübt, welche Perspektive der zukünftige Ehemann hat. Sind diese Fragen zur allgemeinen Zufriedenheit geklärt, dürfen sich die Auserwählten sehen, natürlich vor der Ehe nie allein gelassen, oder wie in Alis Fall via Skype telefonieren. Die beiden haben jetzt noch ein marginales Vetorecht, wobei das Veto des Mannes stärker ist aber vor der Familie erklärt werden muss. Dann die Hochzeit. Ali feierte insgesamt 5 Tage mit hunderten Gästen und mindestens drei Mahlzeiten pro Tag. In Pakistan gibt es mittlerweile ein Gesetz, dass die Hochzeitsfeierlichkeiten beschränkt, damit die weniger situierten Familien sich, wie oft geschehen, nicht maßlos verschulden. Nein, Alis Familie hielt sich nicht dran und feierte einer der größten Hochzeiten seiner Heimatstadt. „Einer der schönsten Tage in meinem Leben und eine der ausgelassensten Partys überhaupt. Das Essen! Meine wunderschöne Frau!“ Sie soll nun nach Australien kommen und er träumt von einem eigenen Haus für beide. Das Leben wird sich für beide ändern und loslösen von Kasten- und Traditionsdenken, hat sie doch schon ein Medizinstudium begonnen, dass sie in Australien beenden will und er schon längst begonnen seine Mahlzeiten selbst zuzubereiten.

Sorge um Daisy


„Warum funktioniert das verdammte Radio nicht? Und das Navi wird auch nicht mehr aufgeladen.“ Das musste sich eine Reihe disqualifizierte und im Grunde auch ungerechte Urteile anhören. Dabei fuhr sie doch gut und man konnte sich bei acht Litern Benzin auf hundert Kilometern bei ihrem Alter auch nicht beschweren. Aber warum funktionierte Radio und Zigarettenanzünder nicht mehr? Es musste ein Widerstand sein, der Daisy Probleme machte. Und tatsächlich es war nur ein harmloses Problem, das sich in zwei Minuten erledigen ließ. Da bleibt nur zu hoffen, dass kein größeres Problem der Elektrik den Widerstand hat durchbrennen lassen.
Aber dann nochmal ein Schock: Irgendein Auto auf unserem Driveway verliert Öl. Daisy? Nach mehrmaligem Testen des Ölstandes konnte für Daisy Entwarnung gegeben werden. Es muss der komische Holden Commandor von Zimmer 3 sein, der Probleme macht.

Montag, 21. Februar 2011

Das Auto


„Ich kann mit dem Preis nicht runter gehen, mate. Das Auto steht hier an der Ausfahrt, weil gerade eben zwei Jungs ‘ne Testfahrt gemacht haben. Die haben mir 4700 Dollar anstatt der 5000 geboten und der Chef hat ‚nein‘ gesagt. Die sind jetzt wieder weg, wollten aber nochmal überlegen, ob sie nicht doch noch den Rest drauflegen. Ist halt ein gutes Auto für den Preis.“ Wer ein Gebrauchtwagen vom Händler kauft, hört allerhand solcher Geschichten und braucht ein gutes Verhandlungsgeschick. Und manch ein Händler ist hartnäckig. So wollte er auch nicht mit dem Preis runtergehen, als man ihm sagte, dass der gleiche Ford Laser, gleiches Baujahr, mit 10.000 km weniger vom Händler um die Ecke für 4500 Dollar angeboten wurde. Einziger Unterschied, es war Schaltung. „Siehst du, die Leute wollen hier alle Automatik fahren, da ist der Preis höher.“
Wer in Australien ein Auto fährt muss sich von deutschen Gebrauchtwagenpreisen verabschieden. Hier werden 15 Jahre alte Toyotas mit über 200.000 km noch für 4000-5000 Dollar angeboten, ohne dass man weiß, wie lange die noch durchhalten. Da braucht man schon seinen taxifahrenden pakistanischen Mitbewohner (Ein Fehler ist im vorherigen Beitrag unterlaufen. Zwei anstatt drei Mann kommen aus Indien. Ali kommt aus Pakistan.), um nicht auf die Tricks der Verkäufer reinzufallen. „Klar, 230.000 km sind viel, aber hier das Auto ist auf Gas umgerüstet. Das spart ‘ne Menge Sprit.“
Nach einer Odyssee bei den lokalen Autohändlern war es ein Toyota Corolla, der das Rennen gemacht hat. Baujahr 98, 180.000 km, 3 Monate Registrierung (Steuern), 12 Monate Garantie auf die Motorteile: 4300 Dollar. Zum Glück braucht man in Südaustralien keinen TÜV: was fährt, das fährt. Jetzt muss man nur noch auf der richtigen Seite einsteigen, sich ans Schalten mit links gewöhnen und auf der „proper side of he road“ (auf der „korrekten“ Straßenseite, wie der Australier gerne betont) fahren – der Händler war bei der Testfahrt nicht ganz frei von Unbehagen – und schon steht dem Strandausflug nichts mehr im Wege.
Natürlich, ein Name braucht ein jedes Auto: Daisy – benannt nach der niemals endenden Liebe von Jay Gatsby.

Montag, 7. Februar 2011

The House

Es ist nicht schon ungewohnt, wenn man seine Miete wöchentlich in einen Briefumschlag steckt und diesen in einen Kasten in wirft, damit der „Landlord“ diese dann einsammeln kann. In Deutschland unvorstellbar dieses einfache Prinzip. 140 Dollar pro Woche für einfaches, ziemlich kleines und bescheidenes Zimmer in einem Suburb von Adelaide, kann man nicht gerade für günstig halten. Dafür ist das Haus international besetzt. Drei Mann aus Indien – ein Maschinenbaustudent, ein IT-Spezialist, der aber zurzeit Taxi fährt, und ein indischer Sportstudent. Hinzukommt ein Elektrikerlehrling, eine Kellnerin, ein technischer Zeichner und ein nach langer Odyssee heimgekehrter Weinspezialist, der nach Jahren in Frankreich und Kanada etwas Neues anfangen will. Alle Australier. Und natürlich noch der deutsche Sprachassistent. Alle sind sie in den letzten Tagen und Wochen eingezogen und warten auf den noch letzten und neunten Mietbewohner.
Die Wohngegend selbst ist uninteressant, dafür aber zweckdienlich, weil das nächste Einkaufszentrum in wenigen Minuten zu Fuß zu erreichen und die S-Bahn Haltestelle genauso weit entfernt ist. Trotzdem fühlt es sich befremdlich an, wenn man selbst die kleinste Streck zu Fuß bewältigt, wo doch jeder hier ein Auto besitzt und man fährt, wenn man fahren kann. Das nächste Ziel ist ein Auto und bei der Anzahl an Mitbewohnern unbedingt ein Plan für die Reinigung der Bäder.

Dienstag, 25. Januar 2011

Erste Tage – Bar Mitzwa und koloniales Flair

Manchmal muss man ans andere Ende der Welt fliegen, um zum ersten Mal auf ein jüdisches Familienfest zu kommen. Der dreizehnjährige Junge liest aus der Thora, bekommt ein Haufen Geschenke und ist nach jüdischer Tradition nun für sich selbst verantwortlich. Interessant bei diesen Festen sind vor allem die Geschichten der Australier, deren Hauptbeschäftigung aus Reisen in andere Länder zu bestehen scheint. Und so hört man von ihren Erfahrungen auf dem Oktoberfest –„nice sausage and good beer, mate!“ – oder von dem Zigeunermädchen, das in der Pariser U-Bahn die Brieftasche stehlen wollte. Kaum ein Australier, der noch nicht in Europa war und kaum ein Australier, der nicht irgendwo auf Welt irgendeinen Bekannten hat.
In den Adelaide Hills, einem Land voller Rinderfarmen und Apfelplantagen, ist ein Rest des kolonialen Flairs erhalten geblieben. So entdeckt man zwischen Eukalyptusbäumen neogotische Kirchen, an deren Anblick man erahnen kann, wie die Siedler versuchten ein Stück England um die Welt zu tragen. Aber es sind nicht nur englische, sondern auch deutsche Spuren, denen man in den Adelaide Hills folgen kann. Fast überall findet man Dörfer wie „Hahndorf“ mit einer „real German Bakery“ und „the best German bratwurst“. So ist es vor allem das Essen, für das die Deutschen bekannt geworden sind und was von den vielen deutschen Glückssuchern übrig geblieben ist.